Hintergrund

Vom Denkmal zum Spatenstich

Die Anfrage des Vorstands von Ägerital-Sattel Tourismus erreichte uns im Herbst 2021: Ob wir uns vorstellen könnten, erneut ein Freilicht-Theaterstück beim Morgarten-Denkmal zu inszenieren. 

Viele gute Erinnerungen an das Freilichtspiel zur 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten wurden geweckt. «Morgarten – Der Streit geht weiter» war 2015 ein intensives Theaterprojekt mit einem motivierten Ensemble und begeisterten Publikum. Die Vorstellung, an diesen wunderschönen und geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren, liess uns nicht lange zögern. Und so begannen wir, erste Ideen zu sammeln und ein Konzept zu entwickeln.

Eines war jedoch von Anfang an klar: Das Ereignis und den grossen Erfolg von damals konnten und wollten wir nicht einfach wiederholen. Wenn wir nach Morgarten zurückkehren, dann sollte es anders werden – aber doch genauso gut, genauso ausdrucksstark und am liebsten genauso erfolgreich. Ebenso war klar: Die Schlacht von 1315 noch einmal nachzuerzählen, kam für uns nicht infrage. Und doch kommt man, wenn man ein Stück am Fusse des Denkmals ansiedelt, an seiner Geschichte nicht vorbei.

Den entscheidenden Impuls schob uns Pirmin Moser mit dem Schwyzer Heft Nr. 93 «100 Jahre Morgartendenkmal» zu. Darin wird geschildert, wie es 1908 zur Errichtung des Denkmals und zur monumentalen Touristenattraktion auf dem Buechwäldligütsch kam – und wie heftig damals darüber gestritten wurde, wo dieses Denkmal überhaupt stehen sollte. Grundlage für diesen Beitrag über die Denkmalgeschichte bildet die Dissertation «Der dritte Morgartenkrieg» von Dr. Christoph Henggeler. Was er beschreibt, war für uns eine ebenso spannende wie überraschend witzige Ausgangslage für ein Theaterstück. Offiziere, Ärzte, Politiker, Touristiker, Geistliche und Redaktoren – bis auf eine Ausnahme ausschliesslich Männer – führten den Kampf um den historisch «richtigen» Standort des Denkmals. Da wir wussten, dass sich auch viele Frauen für eine Rolle im Theaterstück interessieren würden, stellte sich uns schnell die Frage: Welche Rolle spielten Frauen in jener Zeit, also vor über 100 Jahren, überhaupt?

Also begannen wir nachzulesen und erfuhren, wie stark das Leben der Frauen von beengenden Zwängen und heftigen Ungleichheiten geprägt war, wie wenig sie zu sagen hatten und worauf sie als Personen reduziert wurden. Diese interessante und auch erhellende zusätzliche Ebene rückt den Streit um das Denkmal in ein anderes Licht, relativiert ihn und schlägt zugleich einen Bogen zur Gegenwart und zur Situation der Frauen heute.

Unsere ersten Ideen kamen beim Vorstand von Ägerital-Sattel Tourismus gut an. Schritt für Schritt entstanden Zeitplan, ein organisatorisch-künstlerisches Team und ein Finanzierungskonzept. Schliesslich fehlte nach einigen Entwürfen nur noch eine stimmige, übergeordnete Rahmen-Geschichte, die den historischen Konflikt mit der Gegenwart verbindet. Wir fanden sie – in einer Geschichte, die gerade im Ägerital nicht aktueller sein könnte und mit einem Spatenstich zu tun hat.

Liebes Publikum, wir wünschen Ihnen einen vergnüglichen und erhellenden Theaterabend. Vielleicht begleitet Sie der eine oder andere Gedanke, der im Stück aufkommt, noch auf dem Heimweg. Im Sinn von: Ein Denkmal gibt mal zu denken.

Annette Windlin und Paul Steinmann

INHALT  MEDIENSPIEGEL

Morgarten – Der Streit geht weiter, 2015